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Widerspruch

Ich war 6 Jahre alt, als ich zum ersten mal die Internationale gehört habe. Weil meine Eltern mich ungefragt auf eine Demo für mehr Mitbestimmung mitgenommen hatten. Ich fand das scheiße. Demos waren laut und kalt. Darum hab ich mir und euch versprochen NIE selbst auf eine zu gehen. Hat dann leider doch nicht geklappt irgendwie. Kein Wunder. Es gab zu Hause zwar kein Fleisch oder imperialistische Cola, aber dafür jeden Tag die volle Dröhnung Mord und Totschlag in der Tagesschau. Ich kenne mich nicht ohne schlechtes Gewissen. Weil ich so viel hab und andere nichts.

Die Welt war schlecht. Nur wirkliche Alternativen, die gab es irgendwie nicht. Bin groß geworden bei ExLinken mit ausgeträumten Träumen und ganz ohne Revolutionsromantik. Nur die Erinnerungen an verlorene Kämpfe und Hoffnungen, die waren noch da. Mühsam versteckt, sind sie fast unsichtbar geworden um nicht zu sehr aufzufallen in der neuen Bürgerlichkeit. Wegen der Kinder. Natürlich. Gespürt hab ich es trotzdem. Dass meine Eltern anders waren. Nur die Worte dafür haben gefehlt.

So vieles hab ich nicht verstanden. Ich bin groß geworden mit einem antirassistischem Kinderbuch, vor dem ich mich gegruselt habe, wegen der Gewalt darin und rassistischen Bildern von Entwicklungshilfe. Mein Vater hat Socken gestrickt und aus der Kinderbibel vorgelesen. Aber selbstverständlich trotzdem mehr verdient als meine Mutter. Auch als Profeminist. Kapitalismus war böse doch der eigene Bausparvertrag gut.

Ja, zusammen mit den Grünen hat sich eine ganze Generation auf dem Weg von der Straße in die Institutionen in einem Biosupermarkt verlaufen. Grünkern war wichtiger als jeder Kern grüner Inhalte. Und ich suche nach dem weg hier raus. Aus diesem Biosupermarkt.

Habe Respekt vor Kämpfen, die ihr geführt habt. Und weiß, dass ich noch immer davon profitiere. Und bin trotzdem auch enttäuscht über all die Kompromisse. Die nicht mal mehr Kompromisse genannt werden. Aber danke, dass ihr euer Wissen mit mir teilt. Trotz allem. Und Nein ich kann sie nicht auflösen. Diese ganzen Widersprüche. Aber ich versuche zu bauen. An Brücken. Versuche zu graben an Tunneln um zusammen zu kommen. Konkurrenz zu überwinden, Solidarität zu finden. und Kämpfe für die Risse im Beton. Wenn sie auch klein sind. Weil auch diese ganze Trauer und Wut darüber, dass es ist wie es ist, verdammt noch mal Energie ist.

Und weil ich es nicht nur ein bisschen besser sondern ganz anders will.

If you say my dreams are too big. I say you think too small.